Rungholt – nordfriesischen Küstenlandschaft

Lange Zeit gab es keinen materiellen Beleg aus der Zeit des Ortes vor 1362, der die Existenz Rungholts belegen konnte. Zeitgenössische Berichte existieren nicht mehr. Zwar hatten Chronisten des 17. Jahrhunderts wie Matthias Boetius und Anton Heimreich Sagen von einer im 14. Jahrhundert untergegangenen Stadt wiedergegeben und von Funden im Watt berichtet, doch erst zwischen 1921 und 1938 spülten die Gezeiten im Watt nördlich von Südfall wieder Überreste von Warften, Bauten und Zisternen frei. Die Funde wurden systematisch erfasst und erforscht und konnten Angaben auf alten Karten bestätigen. Besonders bedeutsam ist dabei die Karte von Johannes Mejer von 1636, die selbst auf einer Karte von 1240 basieren soll. Weitere Indizien sind ein Testament von 1345 mit der Erwähnung des Namens Rungholt und eine Handelsvereinbarung mit Hamburger Kaufleuten vom 1. Mai 1361. Das Datum liegt acht Monate vor der Marcellusflut und bestätigt, dass der Ort zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe noch bestand. Die Handelsvereinbarung und Funde von rheinischen Krügen erhärten die Vermutung, dass Rungholt der Haupthafen der Edomsharde war.
Der Rungholt-Forscher Andreas Busch nahm aufgrund der Anzahl und der Verteilung von Brunnenresten eine Schätzung der Einwohneranzahl vor. Dadurch schloss er auf eine Bevölkerung von mindestens 1500 bis 2000 Einwohnern. Das ist für eine Ortschaft des 14. Jahrhunderts in dieser Gegend eine bemerkenswert große Zahl. Kiel beispielsweise hatte zu dieser Zeit genauso viele Einwohner, in Hamburg lag die Einwohnerzahl bei etwa 5000.

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Atlantis der Nordsee – Das sagenumwobene Rungholt

 

Andreas Busch – Historiker

Andreas Busch war ein Sohn des Bauern, Müllers und Bäckers Friedrich Andreas Busch er wurde am 30. Juni 1850 in Epenwöhrden geboren.

Die Vorfahren väterlicherseits waren ein in Dithmarschen alteingesessenes Geschlecht von Bauern und Müllern. Seine Mutter Anna Catharina, geborene Michelsen war eine Tochter des Nordstrander Hofbesitzers Bahne Thomas Michelsen und Sophie Dorothea, geborene Erichsen. Es handelte sich um eine alteingesessene Familie von Bauern.
Busch ging von 1890 bis 1899 auf die Nordstrander Volksschule, die anfangs einklassig, danach zweiklassig geführt wurde. Bereits während dieser Zeit erstellte er gerne Landkarten. Seine mangelnde Schulbildung verwehrte ihm jedoch, den Berufswunsch des Landmessers auszuüben. Stattdessen arbeitete er als Landwirt.
1921 entstand in der Nähe von Buschs Hof die Lithschleuse. Dabei traten überraschend Reste einer Kirche des ehemaligen Dorf Lith zutage, die bei der Burchardiflut 1634 abgegangen war. Busch arbeitete mit daran, diese Spuren zu analysieren. Im selben Jahr nahm er Forschungen zur Region um Rungholt auf. Das Gebiet war seit der Zweiten Marcellusflut 1362 mit Schlick bedeckt. Busch untersuchte nun systematisch die durch die Gezeiten zunehmend sichtbar werdenden Kulturspuren. Damit konnte er nachweisen, dass Rungholt als Handelsort und Hafen existiert hatte. Um seine Erkenntnisse korrekt dokumentierten zu können, beschäftigte er sich auch mit geologischen, wetterkundlichen, hydrographischen Fragestellungen. Darüber hinaus befasste er sich mit Statistiken über Sturmfluten, historischer Kartographie und Planung und Ausführungen von Deichen und Sielen.
Busch hatte das Problem, dass die von ihm auf der von Gräfin Diana von Reventlow-Criminil bewohnten Hallig Südfall entdeckten Kulturspuren aus der Zeit des Mittelalters deutlich tiefer lagen als neuzeitliche Anlagen. Daher bemühte er sich anfangs, die Einflüsse und Zusammenhänge zwischen natürlichen und zivilisatorischen Vorgängen aus Literatur über die Theorie der sogenannten Küstensenkung zu erarbeiten. Friedrich Müller hatte erkannt, dass diese Theorie wissenschaftlich nicht zu halten sei und stattdessen andere Gründe vorliegen müssten, bspw., dass der Meeresspiegel grundsätzlich ansteige.
Busch griff Müllers Anregungen bezüglich des steigenden Meeresspiegels auf und studierte aktuellere Literatur. Er erweiterte eigene Messwerte und sprach mit Experten über seine Überlegungen. Es handelte sich um grundlegende Ansätze mit für das angewandte Wasserwesen der Küstenlandschaft weitreichenden Konsequenzen. Busch hielt seine Erkenntnis schriftlich fest, publizierte sie jedoch zu Lebzeiten nicht. Dieser Aufsatz wurde dem Nachlass entnommen und 1977 unter dem Titel Zur Kritik in der Niveauverschiebungsfrage veröffentlicht.
Busch beschäftigte sich darüber hinaus mit der Land- und Wasserwirtschaft, Heimatkunde und genealogischen Themen. Er berichtete hierüber in vielen kleineren Beiträgen, die oftmals grundlegend waren oder andere Wissenschaftler dazu anregten, sich weiter mit den Themen zu beschäftigen. Bei der Würdigung seines Schaffens ist zu berücksichtigen, dass seine Schulbildung gering war. 1963 erhielt er die Universitätsmedaille der Universität Kiel.
Busch war verheiratet mit Anna Süsseline Erichsen. Ihr Vater Boy Friedrich Heinrich Erichsen (1853–1940) besaß einen Hof und war verheiratet mit Engel Hedwig, geborene Jacobsen (1864–1923). Das Ehepaar Busch hatte fünf Töchter und zwei Söhne.

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