Das Jahr ohne Sommer – Tambora

Das Jahr 1816 wird als das kälteste Jahr oder als Jahr ohne Sommer bezeichnet, betroffen war der Nordosten Amerikas und der Westen und Süden Europas. In den Vereinigten Staaten bekam es den Spitznamen „Eighteen hundred and froze to death“ und auch in Deutschland wurde es als das Elendsjahr „Achtzehnhundertunderfroren“ berüchtigt. Als Hauptursache wird heute der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 angesehen, der von Vulkanologen als deutlich stärker eingestuft wird als der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. und jener von Krakatau 1883.

1920 fand der amerikanische Klimaforscher William Jackson Humphreys eine erste Erklärung für das „Jahr ohne Sommer“. Er führte die Klimaveränderung auf den vulkanischen Winter infolge des Ausbruchs des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien zurück. Dieser war im April 1815 mit einer Stärke von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex ausgebrochen und hatte neben ungefähr 150 km³ Staub und Asche auch Schwefelverbindungen, die auf ein Schwefeldioxidäquivalent von 130 Megatonnen geschätzt werden, hoch in die Atmosphäre geschleudert, wo sie sich verteilten und wie ein Schleier um den gesamten Erdball legten. Die Abkühlung des Weltklimas durch den Ausbruch hielt noch bis 1819 an.
Aerosolablagerungen in grönländischen und antarktischen Bohrkernen deuten allerdings darauf hin, dass der Ausbruch des Tambora nicht alleinige Ursache dafür war, dass das Jahrzehnt von 1810 bis 1820 zum weltweit kältesten der letzten 500 Jahre wurde. Vielmehr wird eine vergleichbar große Vorläufereruption vermutet. Aufgrund von Berichten aus Kolumbien könnte ein solcher Vulkanausbruch Ende des Jahres 1808/Anfang des Jahres 1809 stattgefunden haben. Außerdem nimmt man an, dass die erheblich reduzierte Aktivität der Sonne während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, das sogenannte Daltonminimum, zur Abkühlung beigetragen hat.

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Tambora

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Der Tambora (auch Temboro) ist ein aktiver Stratovulkan auf der östlich von Java gelegenen Insel Sumbawa in Indonesien. Sumbawa wird im Norden und Süden von ozeanischer Erdkruste gesäumt. Der Tambora wurde durch aktive Subduktionszonen darunter gebildet. Dieser Prozess hob ihn auf eine Höhe von bis zu 4300 m an, was den Vulkan zu einem der höchsten Gipfel des indonesischen Archipels machte. Hierbei floss das Magma aus einer großen Kammer innerhalb des Berges ab, die sich über den Zeitraum einiger Jahrhunderte erneut füllte. Die vulkanische Aktivität dieser Kammer erreichte zwischen dem 10. und 15. April 1815 eine Spitze.
1815 brach der Tambora mit einer Intensität von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex aus, die größte Eruption seit dem Ausbruch des Taupo in Neuseeland vor etwa 26.500 bis 22.500 Jahren. Starke Niederschläge aus vulkanischer Asche reichten bis Borneo, Sulawesi, Java und zu den Molukken. Durch den Ausbruch starben mindestens 71.000 Menschen auf Sumbawa und Lombok, hiervon 11.000 bis 12.000 direkt durch die Eruption. Das durch die Eruption ausgeworfene Material bewirkte globale Klimaveränderungen, die aufgrund der Auswirkungen auf das nordamerikanische und europäische Wetter dem Jahr 1816 die Bezeichnung „Jahr ohne Sommer“ einbrachten. In Teilen der nördlichen Hemisphäre kam es durch Missernten und eine erhöhte Sterblichkeit unter Nutztieren zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jahrhunderts. Die weltweiten, indirekten Opferzahlen lassen sich nicht beziffern.

330px-1815_tambora_explosion_B Geschätzte Ascheniederschläge während des Ausbruchs 1815. Die roten Bereiche zeigen die Dicke der Niederschläge an, der äußerste Bereich entspricht dabei einem Zentimeter Vulkanasche.

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Karl Marx

Er  war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Bis heute werden seine Theorien kontrovers diskutiert.

Karl Marx wurde am  5. Mai 1818 in Trier  als drittes von neun Kindern des Anwaltes Heinrich (Heschel) Marx (1777–1838) und von Henriette Marx in Trier (Provinz Großherzogtum Niederrhein) geboren. Karl Marx war mütterlicherseits Cousin dritten Grades des deutschen Dichters Heinrich Heine, der auch aus einer jüdischen Familie stammte und mit dem Marx während seiner Pariser Zeit in engem Kontakt stand. Ein Cousin ersten Grades von Karl Marx war Frederik Philips (1830–1900), der 1891 mit seinem Sohn Gerard den niederländischen Elektrik Konzern Philips gründete. Heinrich Marx stammte väterlicher- und mütterlicherseits aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie. Er war von 1811 bis 1813 Gerichtsdolmetscher und vereidigter Übersetzer im damals französischen Osnabrück, im Département Hanséatique Oberems. 1812 schloss er sich dort der französischen Freimaurerloge „L’Etoile Hanséatique“ (Der Hanseatische Stern) an. Zwischen 1816 und 1822 konvertierte der Vater zum Protestantismus, da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt als „Avoué“ / „Advokat-Anwalt“ nicht hätte weiterführen dürfen. Am 26. August 1824 wurden die Kinder Sophia, Hermann, Henriette, Louise, Emilie, Caroline und auch Karl in der elterlichen Wohnung getauft. Die Mutter von Karl ließ sich erst am 20. November 1825 taufen, da sie fürchtete, ihre Familie, allen voran ihr Vater, würde dies missbilligen.

MarxAStammbaum väterlicherseits

Von 1830 bis 1835 besuchte Karl Marx das Gymnasium zu Trier, wo er zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Edgar von Westphalen mit 17 Jahren das Abitur mit einem Durchschnitt von 2,4 ablegte. Besondere Zuneigung fühlte Marx zu seinem Direktor Johann Hugo Wyttenbach. Zu seinen Lehrern gehörten Vitus Loers und Johann Abraham Küpper. Einer seiner Lehrer war Johannes Steininger, ein Naturwissenschaftler und Geologe von internationalem Ruf. Steininger war ein Anhänger von Alexander von Humboldt. 1836 verlobte sich Marx in Trier mit Edgars Schwester Jenny von Westphalen (1814–1881).
1835 ging er zum Studium der Rechtswissenschaften und der Kameralistik nach Bonn. Ob er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat, ist letztlich nicht beweisbar. Bekannt ist aber, dass er wegen „nächtlichen Lärmens und Trunkenheit“ verurteilt wurde und gegen ihn wegen „Tragens eines Säbels“ ermittelt wurde. In Bonn besuchte er juristische Vorlesungen bei Ferdinand Walter, Eduard Puggé und Vorlesungen bei Friedrich Gottlieb Welcker und August Wilhelm Schlegel. Nach Mitteilungen von Moriz Carrière schloss Marx sich einem poetischen Kränzchen an, dem Carrière, Marx, Emanuel Geibel, Karl Grün, Karl Ludwig Bernays, Theodor Creizenach, Heinrich Bernhard Oppenheim angehört haben sollen.
Ein Jahr später wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) nach Berlin und besuchte juristische Vorlesungen bei Eduard Gans (Kriminalrecht und Preußisches Landrecht), Friedrich Carl von Savigny (Pandekten), Henrich Steffens (Anthropologie), August Wilhelm Heffter (Kirchenrecht, gemeiner deutscher Zivilprozess), Georg Andreas Gabler (Logik), Carl Ritter (allgemeine Geographie), Adolf August Friedrich Rudorff (Erbrecht), Bruno Bauer (Jesaja) und Carl Eduard Geppert (Euripides), ließ aber das Jura-Studium gegenüber Philosophie und Geschichte in den Hintergrund treten. Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer („Doctorclub“), deren bedeutendste Vertreter die Brüder Bruno und Edgar Bauer waren. Freundschaft knüpfte er mit Karl Friedrich Köppen und mit Adolf Friedrich Rutenberg.
Georg W. F. Hegel, der 1831 starb, hatte zu seiner Zeit einen starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland. Das hegelianische Establishment (auch bekannt als „Alt- oder Rechtshegelianer“) sah den preußischen Staat als Abschluss einer Serie von dialektischen Entwicklungen: eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten weitere dialektische Änderungen, eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie Armut, staatlicher Zensur und der Diskriminierung der Menschen, die sich nicht zum lutherischen Glauben bekannten, zu befassen hatte.
Nach dem Tod seines Vaters Heinrich Marx am 10. Mai 1838 bekam Marx, weil er erst mit 25 Jahren volljährig wurde, als gesetzlichen Vormund Johann Heinrich Schlink.
Am 15. April 1841 wurde Marx in absentia an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Auf eine Professur rechnend, zog Marx hierauf nach Bonn; doch verwehrte die Politik der preußischen Regierung ihm – wie Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer und anderen – die akademische Laufbahn, galt Marx doch als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer. Unter seinem Namen veröffentlichte er im Januar 1841 in der junghegelianischen Zeitschrift Athenäum zwei Gedichte unter dem Titel Wilde Lieder.
Um diese Zeit gründeten liberale Bürger in Köln die Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe als gemeinsames Organ der verschiedenen oppositionellen Strömungen von monarchistischen Liberalen bis zu radikalen Demokraten. Marx wurde ein Hauptmitarbeiter des Blattes, das am 1. Januar 1842 erstmals erschien. Am 15. Oktober 1842 übernahm Marx die Redaktion der Zeitung, welche von da an einen noch radikaleren oppositionellen Standpunkt vertrat. Marx, Arnold Ruge und Georg Herwegh gerieten zu dieser Zeit in einen politischen Dissens zu dem Kreis um ihren Berliner Korrespondenten Bruno Bauer, dem Marx vorwarf, das Blatt „vorwiegend [als] ein Vehikel für theologische Propaganda und Atheismus etc. statt für politische Diskussion und Aktion“ zu benutzen.  Als Friedrich Engels, der als ein Freund und Parteigänger der Berliner Linkshegelianer galt, am 16. November 1842 die Kölner Redaktion besuchte und erstmals mit Marx zusammentraf, verlief die Begegnung daher relativ kühl.
Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse unterlag das gesamte Pressewesen der Zensur, die hinsichtlich der Rheinischen Zeitung besonders streng war. Die preußische Obrigkeit schickte zunächst einen Spezialzensor aus Berlin. Als dies nicht half, musste jede Ausgabe in zweiter Instanz dem Kölner Regierungspräsidenten vorgelegt werden. Weil Marx’ Redaktion auch diese doppelte Zensur regelmäßig unterlief, wurde schließlich das Erscheinen der Zeitung zum 1. April 1843 untersagt. Marx trat am 17. März als Mitarbeiter und Redakteur zurück, weil die Eigentümer hofften, durch Änderung der Linie des Blattes bei der Zensurbehörde eine Aufhebung des Verbotes erreichen zu können.

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Die Deutschen II Karl Marx und der Klassenkampf

 

 

 

Das Kapital

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Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, eines der Hauptwerke von Karl Marx, ist eine Analyse und Kritik der kapitalistischen Gesellschaft mit weitreichenden Wirkungen in der Arbeiterbewegung und der Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Nach Jahrzehnten ökonomischer Studien und diversen Vorarbeiten (vor allem die Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Zur Kritik der politischen Ökonomie und die Theorien über den Mehrwert) erschien 1867 der erste Band: Der Produktionsprozess des Kapitals. Friedrich Engels stellte nach Marx’ Tod (1883) aus dessen Manuskripten zwei weitere Bände zusammen. 1885 veröffentlichte er Band 2: Der Zirkulationsprozess des Kapitals. 1894 folgte Band 3: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion.

Das Kapital

 

Jack the Ripper

Der Name ist das Pseudonym eines Serienmörders, dem die Morde an mindestens fünf Prostituierten im Herbst des Jahres 1888 im Londoner East End zugerechnet werden. Der Mörder wurde nie gefasst, seine mögliche Identität ist auch noch heute Anlass für Spekulationen. So werden von Kriminologen, Historikern, aber auch Laien zahlreiche Personen verdächtigt. Die Ereignisse um Jack the Ripper entwickelten sich zu einem komplexen Durcheinander aus wissenschaftlicher und historischer Forschung sowie Verschwörungstheorien und volkstümlichen Erzählungen. Die zur Zeit der Morde besonders auflagenstarken Zeitungen aus aller Welt widmeten dem mutmaßlichen Täter, den Morden sowie deren Ermittlungen und den Fehlschlägen der Polizei fortlaufend ausgedehnte Reportagen.

Die Whitechapel-Morde ereigneten sich zwischen dem 3. April 1888 und 13. Februar 1891 in Whitechapel und den angrenzenden Stadtteilen Poplar, Spitalfields, sowie der City of London.

Whitechapel_Spitalfields_7_murders Tatorte der ersten sieben Whitechapel-Morde

Trotz der Alltäglichkeit von Kriminalität gegenüber Frauen traten sie wegen ihrer Grausamkeit besonders hervor. Von neun der elf ermordeten Frauen ist gesichert, dass sie Prostituierte waren. Die große Mehrheit der Experten und Forscher sieht in fünf Morden, die auch Kanonische Fünf genannt werden, die Tat einer Person. Ob die restlichen sechs auch Opfer dieser Person wurden oder aber ein oder mehrere weitere Mörder ihr Unwesen trieben, ist umstritten.

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Dokumentation – Jack the Ripper

Martin Luther – 500 Jahre Reformation

Er wurde am 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld geboren, er lebte in Eisleben bis zu seinem Tod am 18. Februar 1546. Martin Luther war der theologische Urheber der Reformation.
Seine Predigten und die Lutherbibel veränderten die von der römisch-katholischen Kirche dominierte Gesellschaft in der frühen Neuzeit nachhaltig. Er wollte aber keine Kirchenspaltung die zu einer Kirchenspaltung und zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus führte.

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Video Martin Luther

Katharina von Bora

 

250px-Katharina-v-Bora-1526 Katharina von Bora

Sie war eine sächsische Adelige und Ordensschwester, geboren wurde sie am 29. Januar 1499 in Lippendorf, sie starb am 20. Dezember 1552 in Torgau. Nach ihrer Heirat mit Martin Luther wurde sie Katharina Luther oder auch die Lutherin genannt.

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29. Januar 1499: Der Geburtstag von Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora

 

Cahokia

Cahokia ist von einer, soweit bekannt, schriftlosen Kultur hervorgebracht worden. Die Stadt befand sich unweit vom heutigen St. Louis im US-Bundesstaat Illinois. Sie existierte ab etwa 700 n. Chr. und war eine geplante Stadt. Um 1000 stieg ihre Bevölkerung rapide an, was möglicherweise damit zusammenhing, dass der aufkommende Maisanbau eine sicherere und reichhaltigere Nahrungsgrundlage bildete. Aber auch andere Lebensmittel, wie Amarant, ließen sich nachweisen. Die Bewohner von Cahokia bauten Nahrungsmittel auf einer Fläche von vielleicht 13 Quadratkilometern an.

Die Stadt war das Hauptzentrum der Mississippi-Kultur und war die größte präkolumbische Stadt nördlich von Mexiko. Die Stadt maß beinahe fünf Kilometer von West nach Ost und über 3,5 Kilometer von Nord nach Süd, und hatte eine Fläche von mehr als 15 Quadratkilometern. Der Park, in dem sich die einstige Stadt befindet, umfasst eine Fläche von 390 Hektar. Schätzungen über die Einwohnerzahl reichen von 8.000 bis 20.000, mitunter auch bis 40.000. Darüber hinaus weisen viele Funde auf eine Hierarchisierung der Gesellschaft hin. Die Herren der Stadt lebten in Häusern auf einigen der bis zu 120 Mounds. Andere von ihnen dienten als Begräbnisstätten.

220px-USA_Illinois_location_map.svg Illinois

Der Name der Stadt ist nicht überliefert. Stattdessen wurde sie von Europäern nach einer Gruppe der Illinois benannt, dem zu dieser Zeit in der Region lebenden Indianerstamm Cahokia, der allerdings erst lange nach dem Untergang Cahokias dort auftauchte.

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Niederösterreich

Niederösterreich ist das größte Bundesland Österreichs, zum Ersten mal wurde es im Jahr 996 als Osterrichi erwähnt.

Niederösterreich, früher Erzherzogtum Österreich unter der Enns und Oberösterreich, vorher  Österreich ob der Enns sind die historischen Kernländer Österreichs und Teil der habsburgischen Erblande.

Es hieß ursprünglich „nur“ Österreich (später: unter der Enns, manchmal auch nieder der Enns) und gab der Dynastie Habsburg bzw. Habsburg-Lothringen („Haus Österreich“) und dem jeweiligen Gesamtstaat (Österreichische Monarchie, Kaisertum Österreich, Österreich-Ungarn, Republik Österreich) den Namen.
Das heutige Bundesland besitzt daher kaum historische Traditionen, die von der österreichischen Geschichte abweichen. Es war 1278 Schauplatz einer Entscheidungsschlacht, die die Habsburger hier an die Macht brachte, und 1918/19 Ort der „inneren Emigration“ des letzten Kaisers Karl I. vor der Ausreise ins Exil.
Seit dem 10. November 1920, dem Tag des Inkrafttretens der Bundesverfassung, hatte Wien die Rechte eines politisch von Niederösterreich unabhängigen Bundeslandes. Die eigentumsrechtliche Trennung wurde bis Ende 1921 mit dem so genannten Trennungsgesetz entschieden, das gleichlautend in Niederösterreich (ohne Wien) und in Wien beschlossen wurde. Parallel dazu wurden die verbliebenen gemeinsamen politischen Organe aufgelöst.
In der NS-Zeit Gau Niederdonau genannt, wurden dem Land im Herbst 1938 das nördliche Burgenland und Südmähren zugeschlagen; gleichzeitig musste es an das neue Groß-Wien zahlreiche Gemeinden abtreten. Fast alle diese Änderungen wurden 1945 rückgängig gemacht. 1946 wurde eine stark reduzierte Erweiterung Wiens beschlossen, konnte aber wegen eines sowjetischen Einspruchs erst 1954 in Kraft treten.
Die Entwicklung Niederösterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dadurch gehemmt, dass das Land zur sowjetischen Besatzungszone Österreichs gehörte.

Bis 1989 was der Eiserne Vorhang ein wesentliches Hindernis.
Seit 1986 ist Sankt Pölten Landeshauptstadt Niederösterreichs, aber erst 1996 übersiedelten die niederösterreichischen Institutionen (Landesregierung und -Verwaltung) aus der österreichischen Hauptstadt Wien. Das historische Niederösterreichische Landhaus, heute Palais Niederösterreich genannt, befindet sich in der Herrengasse im ersten Bezirk von Wien.

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Stift Melk – Wachau – Niederösterreich

 

Die Wachau

 

Der Wiener Naschmarkt

220px-Alter_Naschmarkt_1900 Der alte Naschmarkt (vor 1895), Blick von der Wiedner Hauptstraße zur Secession im Hintergrund

Der Naschmarkt im 6. Wiener Gemeindebezirk, Mariahilf, ist mit 2,315 Hektar der größte innerstädtische Markt der Stadt. Er liegt zwischen der Linken Wienzeile (Hauptausfahrt Richtung Salzburg) und der Rechten Wienzeile (Haupteinfahrt aus Westen) auf dem hier eingewölbten Wienfluss. Der Naschmarkt beginnt stadtzentrumsseitig beim Getreidemarkt (Secession) am Rand des zentralen Karlsplatzes und reicht nach Westen bis zur U-Bahn-Station Kettenbrückengasse. Er gilt als Wiener Sehenswürdigkeit. Der Marktbetrieb ist seit etwa 2000 durch viele gastronomische Betriebe ergänzt worden.

Die Geschichte

Von 1780 an bestand am rechten Ufer des damals unregulierten Wienflusses außerhalb der Stadtmauern ein Bauernmarkt, auf dem vorwiegend Milchprodukte gehandelt wurden. Der Markt, der offiziell Kärntnertormarkt hieß, wurde im Norden durch die Kärntnertorbrücke (die spätere Elisabethbrücke, die den Fluss zwischen Kärntner Straße und Kärntner Tor und Wiedner Hauptstraße überquerte), im Osten durch die Wiedner Hauptstraße, im Süden durch die heutige Treitlstraße und im Westen etwa durch die heutige Operngasse begrenzt und befand sich somit auf dem heutigen Karlsplatz. (Zuvor befand sich hier ein städtischer Aschen- und Mistablagerungsplatz.) Später breitete sich der Markt entlang der Wiedner Hauptstraße neben dem Freihaus, heute Standort eines Institutsgebäudes der Technischen Universität Wien, südwärts etwa bis zur Schaurhofergasse aus (die erst beim Abriss des Freihauses, 1937, entstand), wie die Abbildungen aus der Zeit um 1900 zeigen.
Der Markt wurde an diesen Platz von der innerhalb der Stadtmauern gelegenen Freyung verlegt, nachdem es dort wiederholt zu Konflikten zwischen dem Magistrat und dem anrainenden Schottenkloster gekommen war.
1793 wurde angeordnet, dass alles auf Wagen für die Stadt gelieferte Obst und Gemüse auf dem Kärntnertormarkt zum Verkauf gelangen müsse. Alles auf Schiffen auf dem Wiener Arm der Donau, dem heutigen Donaukanal, eintreffende Obst hatte hingegen auf dem bis etwa 1900 an dessen Ufer bestehenden Schanzelmarkt gehandelt zu werden.
Auf die Frühzeit des Marktes gehen die beiden möglichen Ableitungen des damals in der Bevölkerung verbreiteten Namens Aschenmarkt zurück. Einerseits kann der Name von der früheren Nutzung des Areals als Aschedeponie hergeleitet werden, möglich ist auch die Übernahme der alten Bezeichnung „Asch“ für die aus Eschenholz gefertigten Milchbehälter. Ab etwa 1820 ist die Benennung Naschmarkt belegt, die wiederum möglicherweise von den teils exotischen Süßigkeiten und Waren, etwa in Zucker eingelegte Orangenschalen und Datteln, herrührte.

220px-Naschmarkt_Wien_1900                             Naschmarkt um 1900 an seinem früheren Standort an der Wiedner Hauptstraße (Blick über die Kärntner Straße Richtung Stephansdom)

1916 wurde das stadtauswärts an den Markt anschließende Gelände vorübergehend als Viktualien­markt (Großmarkt) ausgebaut. Da an dieser Stelle der Stadt keine Anbindung an das Eisenbahnnetz bestand, konnte sich der geplante Obst- und Gemüsegroßmarkt nicht etablieren und dieser Teil des Marktes wurde bald wieder aufgelassen. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz, auf dem seit 1977 der vom Platz Am Hof hierher transferierte samstägliche Flohmarkt stattfindet. Die Standgebühr beträgt für die kleinste Fläche 21 € (Stand März 2016), bei einer Schwerpunktaktion der Polizei wurden 29 „Schwarzhändler“ (Nichtzahler) überführt. Relevante Kosten entstehen der Stadt auch dadurch, dass manche Händler Nichtverkauftes einfach liegen lassen.

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Naschmarkt Wien – Daily Market Vienna – Österreich / Austria

 

[Doku] Märkte 3 Im Bauch von Wien – Der Naschmarkt [HD]

 

Alexander Friedrich Ladislaus Roda Roda

Sein richtiger Name wurde Sándor Friedrich Rosenfeld, er wurde am 13. April 1872 in Drnowitz, Mähren geboren.

Aufgewachsen ist er in Puszta Zdenci, heute Grubišno Polje (Kroatien), auf. Dort war sein Vater Leopold Rosenfeld als Gutsverwalter tätig. Die Familie nannte sich inoffiziell Roda (serb./kroat. für Storch), um nicht mit dem jüdischen Familiennamen Rosenfeld Anstoß zu erregen. Zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Marie (Mi) schrieb er Romane. Die Geschwister vereinbarten: „Über allem soll als Verfassername stehen: A. M. Roda Roda – zum Zeichen, dass wir ein Doppelwesen sind.“
Nach dem Abbruch eines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien verpflichtete sich Roda Roda zu einem zwölfjährigen Militärdienst und begann ihn am 1. Oktober 1893 beim Korpsartillerieregiment in Agram (Zagreb). Im Jahr 1894 ließ er sich nach Esseg (Osijek) versetzen und katholisch taufen, hier entstanden seine Slavonischen Dorfgeschichten. Im Jahr 1899 wurde sein Familienname standesamtlich in Roda geändert, 1906 in Roda Roda.
Im Jahr 1900 erschienen erste Arbeiten von ihm im Simplicissimus. Nach mehreren Disziplinarstrafen ließ sich Roda Roda 1901 als Oberleutnant in die Reserve versetzen. Er verstärkte seine literarische Tätigkeit. Im Jahr 1902 verarbeitete er eine kurze, leidenschaftliche Liebesaffäre mit der Star-Schauspielerin Adele Sandrock, die zehn Jahre älter war als er, in dem Theaterstück Dana Petrowitsch.
Er unternahm Reisen über den Balkan, nach Italien und Spanien. Im Jahr 1904 machte er Station in Berlin und 1906 in München, wohin er 1920 zurückkehrte. Wegen diverser Verstöße gegen die Offiziersehre wurde Roda Roda 1907 unter Aberkennung seines Ranges aus der Armee entlassen. Aus dem leuchtend roten Rockfutter seiner Uniform ließ er sich eine Weste schneidern und trug sie bei nahezu allen seinen zahlreichen Auftritten auf Kleinkunstbühnen. Sie wurde für Jahrzehnte sein Markenzeichen.
Im Jahr 1909 wurde die zusammen mit Carl Rössler geschriebene Militärkomödie Der Feldherrnhügel uraufgeführt, in der militärische Engstirnigkeit und sinnentleerte Hierarchie verspottet werden.
Am 11. August 1914 rückte Roda Roda als Kriegsberichterstatter für die Neue Freie Presse ein und schrieb für sie bis 1917 mehr als 700 Beiträge. Auch für die seit 1854 in Budapest erscheinende deutschsprachige Zeitung Pester Lloyd verfasste er mehrere Beiträge. In den 1920er-Jahren hatte Roda Roda mit humoristischen Buchveröffentlichungen großen Erfolg. Er trat in Kabaretts auf, unternahm ausgedehnte (Gastspiel-)Reisen und pflegte Kontakte zu Dutzenden Autoren, Schauspielern, Filmemachern und anderen Künstlern.

Im Jahr 1932, zum 60. Geburtstag Roda Rodas, erschien eine dreibändige Werkausgabe. Am 10. Mai 1932 gehörte er zu der Gruppe demokratischer Intellektueller, die Carl von Ossietzky bei Antritt seiner Haftstrafe in Berlin demonstrativ begleiteten. Nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland 1933 übersiedelte Roda Roda nach Graz und reiste 1938 wenige Tage vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich in die Schweiz aus. Am 1. November 1940 forderten ihn die Schweizer Behörden auf, bis zum Jahresende das Land zu verlassen, und untersagten ihm zugleich jede Tätigkeit für schweizerische Medien. Roda Roda emigrierte in die USA. Dort blieben die Bemühungen des mittlerweile Siebzigjährigen um einen schriftstellerischen Broterwerb ohne größeren Erfolg.
Seine Schwester Gisela Januszewska, die nicht emigrieren konnte, wurde nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Am 20. August 1945 starb Roda Roda 73-jährig in New York an Leukämie.

Otto Schenk liest Roda Roda: Johann Kiefer

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Egon Erwin Kisch

Er wurde am  29. April 1885 in Prag als  zweiter von fünf Söhnen des jüdischen Tuchhändlers Hermann Kisch und seiner Frau Ernestine geboren. Sein ursprünglicher Name war Egon Kisch, den zweiten Vornamen Erwin begann er erst später als sein literarisches Pseudonym zu verwenden. Die Familie wohnte in einem Renaissancehaus „Zu den zwei goldenen Bären“ in der Prager Melantrichgasse (heute Melantrichova); im Erdgeschoss des Hauses befand sich ihre Tuchhandlung. Seine ersten Schuljahre verbrachte er in privaten Schulen, die sich in katholischen Klöstern befanden. 1891 lernte er in der Seidlschen Schule im Servitenkloster zu St. Michael, ab 1892 in der sogenannten Piaristenschule am Piaristenkloster. Ab 1895 besuchte er die Realschule – die kaiserlich-königliche Erste Deutsche Staatsschule in Prag in der Nikolandergasse, die im Volksmund als Nikolander-Schule bekannt war. Viele seiner Schulerfahrungen verwendete er später in seinen Erzählungen und Reportagen. Kischs Vater starb 1901. 1903 konnte Egon dank der finanziellen Unterstützung seiner Mutter seine erste weite Reise machen: Er besichtigte verschiedene Orte in Österreich und Bayern und schrieb seine Eindrücke von dieser Reise in einem Tagebuch auf. Im Oktober desselben Jahres begann er an der Technischen Hochschule in Prag zu studieren, wechselte jedoch nach einem Semester an die deutschsprachige Karl-Ferdinands-Universität, wo er Vorlesungen über Geschichte der deutschen Literatur und Geschichte der mittelalterlichen Philosophie belegte. In dieser Zeit wurde er Conkneipant der Saxonia Prag im Burschenbunds-Convent. Er focht mehrere Säbelmensuren: Im Ausschank eines jüdischen Branntweinhändlers in der Zigeunergasse gegen den Obmann des deutschvölkischen Vereins Germania; in der Garage eines deutschen Hotels in der Neustadt gegen einen Kontrahenten, der später im tschechisch-nationalen Leben der neugegründeten Republik eine Rolle spielte; und in einem verfallenen Klostertrakt gegen einen jüdischen Arzt aus Czernowitz. Er verfasste eine Abhandlung über das Prager Mensurwesen (enthalten in Aus Prager Gassen und Nächten).
Im Oktober 1904 begann er seinen Militärdienst bei der k.u.k. Armee. Als Absolvent der Realschule konnte er den Dienst als Einjährig-Freiwilliger ableisten; auf Grund seiner Haltung kam es zu häufigen Konflikten zwischen ihm und seinen Vorgesetzten (die ihn für einen Anarchisten hielten), so verbrachte er einen großen Teil des Jahres im Arrest. Kisch erhielt zum Ende seiner Dienstzeit nicht die für Einjährig-Freiwillige übliche Beförderung zum Reserveoffizier, sondern wurde im Rang eines Korporals entlassen.

Im Arrest kam er zum ersten Mal in Kontakt mit verschiedenen linksorientierten Gegnern des in Österreich-Ungarn herrschenden Systems, die er später so beschrieb:
„Freiheitsfanatiker, Antiautoritäre, Gleichheitsschwärmer, voller Hass gegen Duckmäuser und Streber und Militarismus, wenn auch nicht aus politischer Überzeugung oder aus sozial bewussten Gründen […] Sie haben mir viel von kostbarem Hass gegen die privilegierte Gesellschaft gegeben, und ich danke es ihnen ehrlich.“

Eine der letzten Aufgaben Kischs während seiner Tätigkeit für die Bohemia und gleichzeitig eine seiner größten Errungenschaften als Reporter war der investigative Journalismus in Gestalt der Offenlegung der Affäre um den Selbstmord des Obersten Alfred Redl. Redl, der für das Evidenzbüro – den k.u.k. Militärnachrichtendienst – arbeitete, wurde als russischer Spion enttarnt und beging schließlich am 25. Mai 1913 Selbstmord. Der Generalstab sah durch diese Affäre die Monarchie kompromittiert und suchte sie zu vertuschen, was durch Kischs Veröffentlichung vereitelt wurde. Schon in der Ausgabe der Bohemia vom 28. Mai veröffentlichte er eine kurze Notiz, in der zu lesen war:
„Von hoher Stelle werden wir um Widerlegung der speziell in Militärkreisen aufgetauchten Gerüchte ersucht, dass der Generalstabschef des Prager Korps, Oberst Alfred Redl, der vorgestern in Wien Selbstmord verübte, einen Verrat militärischer Geheimnisse begangen und für Russland Spionage getrieben habe.“

Das angebliche Dementi erreichte sein Ziel. Durch die Notiz erfuhren nicht nur die breite Öffentlichkeit, sondern sogar der österreichische Kaiser Franz Joseph und der Thronfolger Franz Ferdinand von der größten Spionageaffäre vor dem Ersten Weltkrieg; sie war nicht mehr geheim zu halten. Seine Recherchen über Redl beschrieb Kisch detailliert im Buch Der Fall des Generalstabschefs Redl, das 1924 herausgegeben wurde.

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Egon Erwín Kisch – Redl

Der Philipphof

Der Hof war ein bekanntes, sehr repräsentatives Großwohnhaus am Wiener Albertina Platz (bis 1920 Albrechtsplatz, bis 1934 Revolutionsplatz) / Helmut-Zilk-Platz, traurige Berühmtheit erlangte er durch die Zerstörung kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde und knapp 300 Menschen unter sich begrub.

An der Stelle des Philipphofes befand sich zuvor das riesige Bürgerspitalzinshaus. Mit insgesamt knapp 220 Wohnungen handelte es sich dabei um das größte Mietzinshaus seiner Zeit in Wien. 1857 entschied Kaiser Franz Joseph I., die Stadtmauer abzureißen, das Glacis zur Verbauung freigeben und die Wiener Ringstraße bauen zu lassen. Sie wurde 1865 eröffnet; in diesem Jahr war mit dem Bau der Prunkbauten entlang des Rings zum Teil jedoch noch nicht einmal begonnen worden. Die Wiener Staatsoper, später Nachbarin des Philipphofes, wurde 1869 eröffnet. Hinter der Oper wurde 1876 das Hotel Sacher in Betrieb genommen. In den Jahren von 1874 bis 1883 wurde das Bürgerspitalzinshaus zu Gunsten der Errichtung des Philipphofes und benachbarter Häuser (bis zur Kärntner Straße) abgerissen.

Im Jahr 1884  wurde der von Architekt Karl König geplante Ziererhof errichtet, der sehr bald in Philipphof umbenannt wurde. Er umfasste den dreieckigen, zur Oper bzw. zum Albrechtsplatz spitz zulaufenden Häuserblock Augustinerstraße–Führichgasse–Tegetthoffstraße. Karl König wirkte damals auch an mehreren Zinshäusern und Palais, dem Haus der Industrie am Schwarzenberg Platz und mehreren Synagogen in den Vorstädten mit.

Am 12. März 1945 kam es zum schwersten Luftangriff auf Wien, wobei von den US-amerikanischen Flugzeugen nahezu ausschließlich das historische Stadtzentrum bombardiert wurde. Dabei wurde das Areal um den Albertina Platz fast völlig zerstört. Der Philipphof und sein Luftschutzkeller stürzten in sich zusammen und begruben weit über 300 Menschen unter sich.

Fritz M. Rebhann berichtete dazu:
Jenen aber, die in den Keller gestiegen waren, wurde durch Explosionen, herabstürzende Mauern, die Glut des Brandes und schließlich durch kopflose oder unzureichende Rettungsaktionen ein grässliches Schicksal bereitet. Erst gegen Abend gelang es den Einsatzkräften, in einen Teil des Kellers vorzudringen. 27 Menschen, die im siedenden Löschwasser gekocht worden waren, wurden zunächst nach oben gebracht (…) Der Bergungserfolg war gering, allgemein breitete sich Erschöpfung und Gleichgültigkeit aus. Immer wieder flammten Glutnester hoch, die kargen Berichte der Feuerwehrzentrale sprechen von Nachlöscharbeiten bis Ende März. (…) Die folgenden Angriffe und das um sich greifende Chaos hemmten bald jeden weiteren Rettungsversuch, zumal es aussichtslos wurde, jemand noch lebend anzutreffen.“
Die genaue Opferzahl ist unbekannt, da nur 180 Leichen geborgen werden konnten. Auch die Nachbargebäude (Albertina, Staatsoper) wurden schwer getroffen und brannten aus. Nach Ende des Krieges wurden die Reste des Philipphofes am 25. Oktober 1947 gesprengt und der Schutt abgetragen.

Zum Gedenken an die Opfer, die bis heute unter dem Platz begraben liegen, wurde dieser nicht mehr bebaut. Eine schlichte Grünanlage markierte den einstigen Standort des Philipphofes, der nun zum Albertina Platz gerechnet wurde; die umliegenden Häuser behielten ihre alten Adressen. Das von der Wiener Stadtverwaltung bei Alfred Hrdlicka in Auftrag gegebene „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ wurde unter heftigen Diskussionen über die von Bürgermeister Helmut Zilk vertretene Standortwahl 1988 an der Stelle über den unterirdischen Resten des Philipphofes errichtet. 2009 wurde der Platz rund um das Denkmal in Würdigung von Zilks Standfestigkeit trotz Medienkritik Helmut-Zilk-Platz benannt. Dieser nimmt nun den nördlichen Teil des 1947 erweiterten Albertina Platzes ein.
Zwei Gedenktafeln erinnerten speziell an den Philipphof und seine Opfer. Auf ihnen stand:
Lieber MitbürgerInnen!
Hier stand der Wiener Philipp-Hof bis zum 12. März 1945.
An diesem Tag starben durch Spreng- und Brandbomben in dem mit der Zerstörung von Städten in Polen und England ausgelösten allgemeinen und umfassenden Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung hunderte Menschen, die in den Luftschutzkellern dieses Gebäudes Zuflucht gesucht hatten.
Diesen Toten und allen zivilen Opfern der Luftangriffe im 2. Weltkrieg hüben und drüben wird ein ehrendes Gedenken bewahrt. Den kompetenten Regierungen der Welt als ersuchende Mahnung:
Bewahrt den Völkern den Frieden!
Die Gedenktafeln waren im September 2011 an Ort und Stelle nicht mehr auffindbar.

200px-Mahnmal_Albertinaplatz_Vienna_Oct._2006_002 Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

 

Der Albertina Platz und Philipphof